Rosenheimer Solarhaus


Rosenheimer Solarhaus auf der Villa Solar in Madrid

Bei einer Bruttogrundfläche von 74 Quadratmetern (maximale Vorgabe) wurde ein Plusenergiewohnhaus für zwei Personen entworfen, das den verfügbaren Raum optimal ausnutzt. Raumhohe Verglasungen im Süden lassen den Wohnraum optisch größer wirken und stellen die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum her. Die besondere Gestaltung der Außenhülle basiert auf der Idee, einen Sonnenschutz für die Glasflächen zu entwickeln, der sich im Laufe des Tages verändert. Durch die verschiedenen Positionen der Sonne über den Tag und übers Jahr spielen Licht und Schatten auf der Fassade und geben ihr fortlaufend ein anderes Gesicht. Tagsüber ergibt sich zusätzlich ein spannendes Lichtspiel im Inneren des Gebäudes. Aufgrund der Durchlässigkeit der rautenförmigen Öffnungen zwischen den „Zacken“ ist man nicht vollkommen von der Außenwelt abgeschottet: Tageslicht dringt durch sie ins Innere des Hauses und Blicke nach draußen werden zugelassen. Während der Mittagsstunden, wenn die solaren Lasten am Größten sind, kann das in den Boden versenkte Sonnenschutzsystem ganz nach oben gefahren werden und bietet dann hervorragenden Schutz.

Optimale Flächenausnutzung, die Flexibilität und die Multivalenz der Möbel stehen beim Innenausbau im Vordergrund. Raumfunktionen, die im Tagesablauf nicht gleichzeitig stattfinden, werden auf einer gemeinsamen Fläche untergebracht und können wechselseitig genutzt werden: Im Schlaf- und Arbeitsbereich bietet ein aus dem Schrank ausfahrbares Doppelbett nachts den Schlafplatz und lässt sich tagsüber verstecken. Aus einer mobilen Schrankwand kann ein Arbeitsplatz ausgeklappt und ein eingebauter Rechner mit großem Monitor genutzt werden. Der verschiebbare Wandschrank kann, wenn keine der beiden Nutzungen (Schlafen, Arbeiten) stattfindet, komplett an den Rand des Raumes verschoben werden, um den Wohnraum zum großen „Allraum“ werden zu lassen. Dies wird durch eine Aufhängung des Schranks an der Decke ermöglicht. Um das Gewicht des verschiebbaren Schrankes auf ein Minimum zu reduzieren, ohne Stabilitätsverlust hinnehmen zu müssen, wurde ein spezielles Leichtbausystem verwendet. Im Rahmen dieses Projektes und einer begleitenden Diplomarbeit wurden die Möglichkeiten der Verbindungsmitteltechniken der Firmen Häfele und Hettich mit den hohen Anforderungen des äußerst komplexen Möbelleichtbaus in Einklang gebracht. Die Funktionalität des Hauses ist als Kurzanimation auf der Videoplattform Youtube zu sehen.

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Grundrissvarianten des flexiblen Innenraums

Variante 1:
Wohnen, Nordterrasse geöffnet – Küchen-block als Monolith – Schrankverfahren „Allraum“

Variante 2:
Wohnen, Nordterrasse geöffnet - Esstisch für 8 Personen - Arbeitsplatz

Variante 3:
Gästebett, Nordterrasse geschlossen - Esstisch für 4 Personen - Schlafen

Variante 1

 

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Variante 2

Variante 3

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Arbeits- und Schlafbereich mit Bett (LCD-Glass)

Mobile Schrankwand - Raumvergrößerung

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Lichtspiel an der Südfassade

Wohn- und Essbereich

 

Bei der Entwicklung des energetischen Konzeptes orientierten sich die Studierenden zu Beginn an den in der deutschen Industrie und Forschung bekannten energieeffizienten Gebäudetypen. Für die Anforderungen des Wettbewerbes wurden bekannte Konzepte zu einem zukunftsweisenden Plus-Energiehaus weiterentwickelt. Einer der wichtigsten Gesichtspunkte des Konzeptes war, bei maximaler Energieeinsparung einen möglichst hohen Wohnkomfort zu gewährleisten. Dazu gehört es auch, energiegewinnende und energiesparende Systeme sorgfältig in die hochwertig gestaltete Umgebung zu integrieren. So erzeugte das Haus am Standort Madrid viermal mehr Energie, als es verbraucht.

Von Beginn an wurde die Material- und Baustoffauswahl eng an den Nachhaltigkeitskriterien des DGNB Gütesiegels orientiert. Insgesamt bestehen das Gebäude und seine Terrassenlandschaft zu 70 Prozent aus nachwachsenden Baumaterialen (Fichte, Eiche, Lärche, Holzwolle, Kenaf, Flachs und Hanf). Eine Lebenszyklusanalyse (LCA), durchgeführt mit der LEGEP-Software, analysierte die Gewichtung aller Baumaterialien detailliert.

Materialkuchen

Prozentualer Einsatz der Baumaterialen für das Rosenheimer Solarhaus

 

Allgemeine Beschreibung

Kenndaten

Wohnfläche

65 m²

Bruttorauminhalt

250 m³

Hüllfläche

260 m²

Anteil Fensterfläche

13%

A/V-Verhältnis

1,04

Bauteilebeschreibung

 

Bauweise

Holzständerkonstruktion mit Vakuumisolierpaneeldämmung

U-Wert = 0,098 W/m²K

Festverglasung

3-Scheiben-Wärmeschutzglas
mit Sonnenschutzbeschichtung

U-Wert = 0,56 W/m²K; g-Wert = 0,35

PV-Anlage

13 kWp, 40 Module,

PV-Ertrag
in Madrid = 16.000 kWh/a

PV-Ertrag in Rosenheim = 11.000 kWh/a

Wärmepumpe

5,5 kW Heizleistung; Sole/ Wasser; COP 5

Kühldecke

Nettofläche 53 m2; Leistung bei 10 K = 54 W/m2

Lüftung

max. 120 m3/h; CO2- und Raumtemperatur-Regelung

PCM-Kanal

Eigenentwicklung zur Umluftkühlung während der Wettkampfphase

Abmessungen:                      5,0m x 1,1m x 0,4m

PCM Dörken:                       Delta Cool 24

Schmelztemperatur:              22-28°C

Schmelzenergie:                    44Wh/kg

Speicherbare Energie:           ca.14kWh

Kühlleistung:                        bei 600m3/h und ΔT=10°C: ca. 2,5 kW